China - ein ganz spezielles Erlebnis!
Knapp drei Wochen verbrachten Schüler der Oberstufe in China und besuchten unsere Partnerschule in Peking. Rabea berichtet von dieser aufregenden Exkursion.
Wow! 18 Tage China lagen vor uns, als wir uns am Bremer Flughafen von unseren Eltern und Freunden verabschieden mussten – und nun ist kein einziger davon mehr übrig.
Mit 12 Stunden Flug, 3 Stunden Aufenthalt in Paris und den Koffern voller Erwartungen sind wir endlich in Beijing gelandet. Doch 2 Stunden Busfahrt lagen noch zwischen uns und dem Hotel, in dem wir unerwarteter weise jede unserer Pekinger-Nächte verbrachten.
Alles sah völlig anders aus, als hier und irgendwie auch als wir uns vorstellten, doch egal was uns vor die Linse kam, es musste fotografiert werden!
Das wir nicht bei den Gastfamilien haben wohnen dürfen, war das erste, das wir erfahren haben – und wohl auch das ernüchterndste, doch ab nun zählte das Beste aus dieser Reise machen, was nur geht!
Das gesehene und vor allem erlebte zu beschreiben und in Worte zu fassen ist schwer, wenn man nichts hat, mit dem man es vergleichen könnte.
Das wohl beeindruckendste der gesamten Reise war, natürlich neben der Chinesischen Mauer, und da waren wir uns fast alle einig, Shanghai. Mit dem Nachtzug 12 Stunden auf engstem Raum, mit 6 verschiedenen Menschen zu schlafen und zu essen und am nächsten Morgen in einer Stadt aufzuwachen, in der ein Wolkenkratzer höher ist als der nächste, war unglaublich und für uns schwer zu begreifen. Doch lange würde man es in einer solch schnelllebigen Stadt wohl kaum aushalten... es war ein Erlebnis der ganz besonderen Art vor allem auch Shanghai bei Nacht zu erleben, doch die Luft zum Atmen fehlte uns schon nach nicht einmal 3 ganzen Tagen. In einem Wald aus Wolkenkratzern zu stehen, ohne auch nur ansatzweise einen Fluchtweg zu erkennen, ist bedrückend aber zugleich auch erschreckend.
Das Individuum hat in China keinen Stellenwert, so zählt und da ist es egal wo man hinsieht, nur die Masse. Es ist nicht wichtig, was der Einzelne fühlt, denkt oder aus sich und seinem Leben macht. Was zählt ist, wie China nach außen wirkt, der ungehaltene Fortschritt einer Nation, die uns erschreckender weise schon bald überholt haben wird und worauf das Licht der Öffentlichkeit fällt. So haben wir auch die Schule in Beijing erlebt, die einen reinen Frontalunterricht vor mindestens 37 Schülern beschreibt. Der eine schläft schon nach 2 Minuten ein, weitere 10 halten noch einige Minuten länger durch und nach einer halben Stunde schläft schon fast die Hälfte aller Schüler, doch interessieren tut das in China niemanden. Leistungstests zeigen, was jeder Einzelne kann oder auch nicht und bestimmen das gesamte Leben der Schüler. Entweder man lernt ohne dabei an Freunde oder jegliche andere Freizeitbeschäftigungen zu denken oder man erreicht den Leistungsstand nicht.
Ganz oder gar nicht – das ist es, was sich durch das gesamte Leben der Chinesen als Roter Faden zieht. Möglichkeit 1 ist es erfolgreich in der Schule zu sein, etwas zu erreichen und auch später Geld zu haben und dann ist es viel Geld. Möglichkeit 2 ist es nichts zu erreichen und auch später nichts zu haben - und mit nichts meine ich absolut gar nichts! Wer in China auf der Straße bzw. in einem Hutong lebt hat nichts und da der Staat seine Bürger auch mit keinerlei Hilfen unterstützt, leben diese Menschen am absoluten Nullpunkt. Ihre Lebensräume, die unvorstellbar winzig sind werden bewohnt, so lange das Dach nicht über ihren Köpfen nicht zusammenfällt. Was diese Menschen haben ist absolut nichts! Nicht einmal eine gute Zukunftsperspektive gibt ihnen Kraft zum Kämpfen. Wer nichts hat wird niemals aus dieser Situation entfliehen können. Menschen in so unwürdigen Verhältnissen leben zu sehen, war sehr ergreifend für mich, denn es scheint als könne man all diesen Menschen nicht Helfen, so gerne man auch wollte. Und auch von den Chinesen wird weggesehen. Es ist eben so, das ist die Haltung, die diesen Menschen entgegen gebracht wird.
Natürlich haben wir keine Sehenswürdigkeit die man mit Peking in Verbindung bringt ausgelassen und so besuchten wir den Sommerpalast, die Verbotene Stadt, den Platz des Himmlischen Friedens und die Chinesische Mauer, eines der absoluten Highlights, um nur einige zu nennen.
Es ist unbestritten, das das was wir in China erlebt haben ein Kulturschock war und somit sind wir in jeglicher Hinsicht an all unsere Grenzen gestoßen. Haben wir noch am ersten Tag alles fotografiert, was wir gesehen haben, war es am letzten Abend das Normalste der Welt, mit dem Taxi durch Peking zu fahren und alles links und rechts neben sich liegen zu lassen. Ich habe oft versucht, mir bewusst zu machen, was eigentlich gerade mit mir passiert und vor allem was ich alles erleben darf und umso schwerer war es zu akzeptieren, dass man gegen all die Erlebnisse und Eindrücke nicht mehr ankommt. Irgendwann kommt es einem vor wie ein irrer Film, der vor den eigenen Augen abgespielt wird und auch all die Armut wird irgendwann wie eine böse Hintergrundmelodie ausgeblendet.
Sicher gäbe es noch stundenlang genügend Erlebnisse, die mindestens genauso wichtig wären zu erzählen, doch ist es wie schon gesagt schwer begreiflich zu machen, was hinter all diesen Worten wirklich für Geschichten stehen.
Die Frage, was das ist, was dort gerade vor uns auf dem Teller liegt wird uns in Deutschland zwar fehlen, doch egal was wir in China erlebten, es war extrem, unbeschreiblich und intensiv für alle Sinne!





